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gandra
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Das Konzept von Wert und Preis

on Sat Jun 27, 2015 11:23 pm
Für meine Analysepraxis mache ich mir eine einfache Idee zunutze: Preis und Wert fallen selten hundertprozentig zusammen. Vielmehr oszilliert der Preis eines Handelsinstrumentes um seinen Wert. Zeitweise kommt es so zu Über-treibungen im Markt - neben dem Wert eines Papiers bezahlen Käufer dann einen Aufschlag für die eingepreiste Euphorie oder einen Abschlag für die Pa-nik.

Der Preis eines Handelsinstrumentes lässt sich am Kurs ablesen: Marktteil-nehmer handeln zu einem Kurs, bei dem Käufer den Preis für niedrig genug halten, um das Instrument später mit Gewinn zu verkaufen. Verkäufer halten den erzielten Verkaufserlös für angemessen. Und inaktive Marktteilnehmer teilen keine von beiden Meinungen und bleiben inaktiv. Die Bewertung hier ist lediglich eine Momentaufnahme über den Konsens der Marktteilnehmer für den fairen Wert eines Handelsinstrumentes.

Den Wert bestimme ich nun, indem ich eine Zeitebene betrachte, die logisch oberhalb meiner gewählten Handels-Zeitebene liegt. Den Konsens der Markt-teilnehmer über den Wert eines Handelsinstrumentes in dieser höheren Zeit-ebene liefern mir die Exponentiellen Gleitenden Durchschnitte, die diese hö-here Zeitebene repräsentieren.

So kann ich beispielsweise einen Tageschart betrachten und sehe den augen-blicklichen Preis. Der 5-Tage-EMA (der Wert auf Wochenbasis) und der 21-Tage-EMA (der Wert auf Monatsbasis) sind dann wie ein "Abstimmungser-gebnis zu werten: Könnten sämtliche Marktteilnehmer der vergangenen Wo-che oder des vergangenen Monats abstimmen, stünde der Preis an diesen Durchschnittslinien. Befinden wir uns oberhalb, ist der Markt überbewertet, befinden wir uns unterhalb, ist der Markt unterbewertet.

Die Triple-Screen-Methode

Da Märkte in mehr als einer Zeitebene existieren, ist es sinnvoll, seine Analy-sen vom längeren zum kürzeren Zeitfenster durchzuführen. Während eines Monats werden mehr Handelsentscheidungen getroffen als während einer 10-Minuten-Periode, daher sollte man sich zunächst einen Überblick über den langfristigen Marktzustand verschaffen. Ähnlich einem Blick auf den Kalender gilt es zu analysieren, ob wir uns tendenziell in Richtung Sommer oder in Richtung Winter bewegen.Die Triple-Screen-Methode wurde von Dr. Alexander Elder vor über 30 Jah-ren entwickelt und hat sich seitdem als robuster Analyseansatz erwiesen.

Risikomanagement und Positionsgrößen

Viele angehende Trader vergessen, dass eine gute Analyse nur ein Drittel des Erfolgs eines Trades ausmacht. Mindestens genauso wichtig sind eine stabile psychische Verfassung und ein stringentes Risiko- und Money-Management. Dieses drückt sich in der Bestimmung der passenden Positionsgröße mit.
Mehr als einmal wurde empirisch nachgewiesen, dass selbst bei ansonsten identischen Handelsparametern (gleiche Kontogröße, gleiche Ein- und Aus-stiege, gleiches Handelsinstrument, positiver Erwartungswert einer Handels-strategie) mehr als 95% der Trader kein Geld verdienen. Die Ursache: Sie wählen die falschen Positionsgrößen.
Ich persönlich wähle meine Positionsgröße immer in Abhängigkeit vom Posi-tions- und Kontorisiko. Dabei lautet der Algorithmus:

1. Bestimmung des Einstiegskurses
2. Bestimmung des Stopkurses
3. Bestimmung des Risikos pro Einzelstück (Einstiegskurs minus Stopkurs)
4. Bestimmung des zulässsigen Positionsrisikos (1 - 2% des Kontoguthabens)
5. Bestimmung der Positionsgröße als Quotient aus Positionsrisiko dividiert durch Einzelstückrisiko.

Ein Beispiel: Auf Ihrem Konto befinden sich 10.000 Euro. Sie wollen eine Ak-tie für 50 Euro kaufen (Schritt 1). Ihren Stop planen Sie bei 40 Euro (Schritt 2). Ihr Risiko für diese Aktie liegt bei 10 Euro (50 - 40 = 10, Schritt 3). Von Ih-ren 10.000 Euro wollen Sie nicht mehr als 200 Euro riskieren (Schritt 4). Sie dividieren diese 200 Euro zulässiges Positionsrisiko durch das Risiko von 10 Euro je Aktie und erhalten die höchste zulässige Stückzahl von 20 (Schritt 5).

Sie kaufen dann 20 Aktien zu je 50 Euro und haben 1.000 Euro investiert, aber nur 200 Euro riskiert.
Warum wähle ich das Einzelpositionsrisiko so klein? Jede Position ist eine Wette mit ungewissem Ausgang. Da ich immer mit einem Verlust rechnen muss, will ich viele Wetten nacheinander platzieren können, ohne mein Konto in Gefahr zu bringen. Ein relativ kleines Positionsrisiko senkt den emotiona-len Stress und führt zu höheren Überlebenschancen. Denken Sie an das Casi-no: Wenn Sie mit 500 Euro im Portemonnaie an den Roulette-Tisch treten, können Sie 500 Euro in einem Spiel setzen (falls das Tischlimit das zulässt) und sind mit einiger Wahrscheinlichkeit nach dem Spiel für den Rest des Abends nur noch Zuschauer. Oder sie setzen jedes Mal nur 10 Euro und kön-nen dafür viele Runden mitspielen.

Handelsausrichtung: Trend, Bewegung oder Korrek-tur?

Wir hatten bereits die Bestandteile eines Trends herausgearbeitet: Bewegung ist der Impulsschub in Trendrichtung, Korrektur ist der gegen den Trend ge-richtete Schub. Vor einem Trade die Entscheidung zu treffen, welchen Be-standteil des Trends man handeln möchte, ist essentiell für ein so wichtiges Thema wie die Stopsetzung und damit die Positionsgrößenbestimmung.

Trends zu handeln, bringt statistisch gesehen die profitabelsten Ergebnisse. Jedoch ist eine trendfolgende Handelsstrategie meist mit psychologischen Schwierigkeiten verbunden.
Erstens gilt es, die Korrekturen auszuhalten. Während eines Trades wird es also passieren, dass aufgelaufene Buchgewinne wieder schrumpfen, ein Ge-winn-Trade sogar noch einmal ins Minus läuft. Solange jedoch das aktuelle Korrekturtief höher ausfällt als das vorhergehende (in einem Long-Trade) und jedes folgende Hoch höher ist als das vorhergehende, ist der Trend intakt und an dem Trade kann festgehalten werden. Die Stops werden jeweils nach Ab-schluss der Korrektur in Richtung der Trendbewegung verschoben. Eine wachsende Verlustaversion im Gewinnfall und der Dispositionseffekt sind hier jedoch psychologische Hürden.

Der Tageschart des German30 in einem Aufwärtstrend mit der Punktzählung der Markttechniker. Der Trend-Trader zieht seine Stopps jeweils unter die rot gekenn-zeichneten Korrekturtiefs (3) nach, sobald das Hoch der Korrekturkerze überschritten wird. Er wird am 15. Juni 2009 beim Bruch der Trendlinie ausgestoppt. Trend-Trading ist der profitabelste Handelsstil, aber psychologisch sehr anspruchsvoll.

Da viele Trader dem Phänomen der zwischenzeitlich schrumpfenden Buch-gewinne nicht gewachsen sind, handeln sie lieber den Beschleunigungsim-puls, also die Bewegung vom Korrekturtief bis zum nächsten Impuls-Hoch bzw. in Short-Trades den Impuls vom Korrekturhoch bis zum nächsten Im-puls-Tief. Diese Trades sind zeitlich kürzer, bieten naturgemäß deswegen ge-ringere Gewinnchancen, erhöhen die Handelsfrequenz und damit die Kosten-belastung für den Trader.

Der Tageschart des German30. Gekennzeichnet sind mögliche Trades auf Basis kurz-fristiger Bewegungsimpulse in der übergeordneten Trendrichtung, die eine Eröffnung einer Long-Position in der unteren Hälfte des Trendkanals möglich machen. Der Im-puls-Trader handelt also fünf Mal statt einmal (wie der Trend-Trader). Die möglichen Einzelgewinne sind geringer als die des Trend-Traders. Er ist nicht so lange im Markt positioniert, realisiert Gewinne schneller. Das kommt dem durchschnittlichen psycho-logischen Traderprofil entgegen.

Sobald der Bewegungsimpuls vorbei ist, besteht natürlich auch die Möglich-keit des kurzfristigen Kontra-Trend-Trades. Hierbei ist aber zu beachten, dass das Risiko einer schnellen Wiederaufnahme des Ursprungstrends jederzeit besteht. Wer einen solchen Kontra-Trend-Trade eingeht, sollte die Position li-ve überwachen und jederzeit bereit sein, sie zu schließen. Wichtig ist natürlich auch, dass das gehandelte Instrument ausgeprägte, handelbare Korrekturen vollzieht. Oft folgt jedoch in Trends gar keine ausgeprägte Korrektur, sondern Bewegungsimpulse münden in Dreiecke, Rechtecke, auf- oder absteigende Keile, die keine signifikanten Handelsmöglichkeiten in die Gegenrichtung er-öffnen.
Hier spielen Erfahrung und Disziplin des Traders eine Schlüsselrolle.

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