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gandra
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Technische Analyse im Überblick

on Sat Jun 27, 2015 5:33 pm
Es gibt unter den Investoren und Tradern zwei Analyse-Welten. Die einen sind Fundamentalanalysten. Sie vertiefen sich in Bilanzen, Jahresberichte und Quartalsreports. Aktienanalysten analysieren makroökonomische Trends, Umsatz- und Gewinnzahlen, Markttrends, Kostenaufstellungen. Im Bereich des Währungshandels spielen Bruttoinlandsprodukt, Bevölkerungswachstum, Investitionsklima, Wirtschaftswachstum, Verschuldung, Zinspolitik und vieles mehr eine Rolle.

Im Rohstoffbereich werden An- oder Abbaukapazitäten, La-gerstätten und -vorräte, Lieferkapazitäten, Verbrauchsprognosen, das Wetter, die Angebots- und Nachfragesituation im kurz-, mittel- und langfristigen Be-reich untersucht. Kurz: Die Fundamentalanalyse ist, wo auch immer sie an-gewandt wird, eine hochkomplexe Wissenschaft.

Technische Analysten machen sich das Leben leichter. Sie lesen Charts - grafi-sche Darstellungen der Kursverläufe der Vergangenheit. Chartanalysten set-zen darauf, in den Charts nahezu alles zu erkennen, was für ein profitables In-vestieren notwendig erscheint.

Wer hat die bessere Methode? Diese Frage lässt sich nicht beantworten, denn das hieße, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Es sind zwei unterschiedliche Me-thoden, die Märkte zu analysieren. Jeder muss selbst entscheiden, welche Me-thode ihm besser gefällt.
Ich persönlich nutze die Technische Analyse, fundamentale Daten ziehe ich nur in sehr begrenztem Umfang für meine Handels- und Investitionsent-scheidungen heran.

In diesem Abschnitt habe ich die aus meiner Sicht grundsätzlichen Aspekte der Technischen Analyse zusammengefasst. Ich wollte den vielen Büchern über Charts, Indikatoren, Formationen usw. nicht noch ein weiteres hinzufü-gen, daher fokussiere ich mich stark auf die praktischen Aspekte der Analyse. Es geht mir nicht darum, lexikalisch umfassend alles zu beschreiben, was die Technische Analyse zu bieten hat. Vielmehr geht es mir darum, das unüber-schaubare Sammelsurium von Werkzeugen und Methoden der Technischen Analyse zu systematisieren und für den fortgeschrittenen Einsteiger handhabbar zu machen. Wer sich umfassender zu einzelnen Aspekten informieren möchte, dem seien die Bücher des Literaturverzeichnisses am Ende empfoh-len.


Last edited by gandra on Sat Jun 27, 2015 6:02 pm; edited 3 times in total
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Was bewegt die Märkte

on Sat Jun 27, 2015 5:35 pm
Wer die Kursbewegungen an den Märkten untersucht, sollte zunächst einmal die Frage beantworten: Warum bewegen sich Kurse? Und was ist überhaupt ein Kurs?

Ein Kurs ist ein kurzfristiger Konsens über den gegenwärtigen Wert eines ge-handelten Instrumentes. Frage ich nach den Gründen für Kursbewegungen kommt gewöhnlich die Antwort: Angebot und Nachfrage.
Nehmen wir beispielsweise die Deutsche Bank. Es gibt etwa 929,5 Millionen Aktien dieses Unternehmens. Am 12. August 2011 wurden auf XETRA 12.707.536 Aktien der Deutschen Bank gehandelt. All diese Aktien gehören ir-gendjemandem. Wenn nun der Aktienkurs von 40 auf 30 fällt, liegt das daran, dass plötzlich mehr Aktien emittiert wurden? Ist das Angebot größer gewor-den? Wenn dann der Kurs von 30 auf 33 Euro anzieht - werden Deutsche-Bank-Aktien knapp? Wahrscheinlich nicht, denn die Anzahl ist konstant. Und da die Aktien nicht herren- und besitzerlos durch das Universum geistern, können Angebots- und Nachfrageschwankungen nicht der Grund für die Kurskapriolen sein. Auch fundamentale Daten können kaum die Ursache sein, denn das Unternehmen ändert ja nicht sekündlich seinen fundamentalen Wert, den Bilanzgewinn oder die Erträge pro Aktie.

Vielmehr ist es die Psychologie der Marktteilnehmer, die hier eine Rolle spielt. Käufer knüpfen an die Aktie simpel die Erwartung, dass sie im Kurs steigt. Die Gründe sind vielfältig - aber wer eine Aktie kauft, tut das, weil er sie irgend-wann wieder einmal mit Gewinn teurer veräußern möchte.1 Verkäufer erwar-ten, dass die Aktie nicht weiter steigt oder sogar im Kurs fällt - sonst würden sie sich nicht von ihr trennen.
Wenn sich also Kurse von Aktien verändern, liegt das daran, dass eine be-stimmte Partei von Marktteilnehmern - Käufer oder Verkäufer - ihre Erwar-tungshaltung aggressiv umsetzt. Es wird entweder gekauft nach dem Motto "Koste es was es wolle!" oder verkauft getreu der Losung "Weg damit - besser jetzt als später."
Die spannende Frage ist jetzt: In welchem Rahmen spielen sich solche Preis-bewegungen ab?
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Warum Technische Analyse Funktioniert

on Sat Jun 27, 2015 5:43 pm
Massenpsychologische Phänomene an den Finanzmärkten sind alt. 1537 konnte man für eine Tulpenzwiebel ein Haus in Amsterdam kaufen. 2007 brauchte man dafür nicht mal mehr eine Tulpenzwiebel - man konnte gänz-lich ohne Einkommen in Florida ein Haus kaufen.
Isaac Newton hat sich bereits über die Hysterie der Massen an den Aktien-märkten echauffiert. Börsenkrisen treten immer wieder auf - als Südseeblase oder Große Depression, als Finanzkrise, Immobilienblase, Asienkrise, Ruß-landkrise.
Die Gründe dafür sind zeitlos. Sie liegen in der Psyche der Menschen.

Die Axiome der Technischen Analyse

Die Technische Analyse beruht streng genommen auf nur drei Axiomen:
1. Preise widerspiegeln alle Informationen.
2. Preise bewegen sich in Trends und Trends tendieren zur Fortsetzung.
3. Geschichte wiederholt sich.

Untersuchen wir diese Axiome im Einzelnen.


Der Preis enthält alle bekannten und unbekannten Informationen. Es ist da-her praktisch nicht notwendig, alle Informationen selbst zu kennen oder gar zu versuchen, diese zu deuten. Diese Arbeit nimmt der Markt dem Trader ab. Die Deutungshoheit über alle Informationen – gerade im kurzfristigen Be-reich über Nachrichten oder Konjunkturdaten – hat der Markt. „Preise ma-chen Nachrichten“ ist eine Binsenweisheit unter Tradern. Niemals machen die Nachrichten die Preise. Journalisten suchen retrospektiv nach Erklärungen für Kursbewegungen - können diese aber nicht prognostizieren.

Preise von handelbaren Instrumenten bewegen sich in Trends – aufwärts, abwärts oder seitwärts. Trends bestehen fort, bis ein neuer Trend auftritt. Einzelne Kurse innerhalb des Trends allerdings sind niemals prognostizier-bar. Der nächste Kurs kommt immer absolut zufällig zustande. Es gibt ledig-lich bestimmte statistische Wahrscheinlichkeiten, die auf den Erwartungshal-tungen der Marktteilnehmer beruhen. Die Technische Analyse versucht mit Hilfe dieser Wahrscheinlichkeiten Aussagen über mögliche Bewegungsten-denzen im kurz- und mittelfristigen Bereich zu treffen.

Möglich wird eine solche Analyse dadurch, dass das Verhalten der einzelnen Trader in der Masse einander so ähnlich ist, dass sich daraus ein wahrschein-liches massenpsychologisches Gesamtverhalten prognostizieren lässt. Dabei ist Technische Analyse keine kausale Wissenschaft, sondern ein stochasti-sches Handwerk. Die Stochastik, ein Teilgebiet der Wahrscheinlichkeitsrech-nung, befasst sich mit zufälligen Ereignissen, aus denen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden. Beispiele für stochastische Phänomene liefern die Meteoro-logie, die Demoskopie und die Spieltheorie:

Meteorologen können Wettervorhersagen für einen Zeitraum und ein Gebiet machen. Sie können aber niemals punktgenau auf die Sekunde den Beginn ei-nes Regenschauers oder den Blitzeinschlag eines Gewitters prognostizieren.

Demoskopen erarbeiten erstaunlich genaue Wahlprognosen. Aber das Verhal-ten der einzelnen Wähler Müller, Meier oder Schulze lässt sich daraus nicht ableiten.
In Casinos gibt es einen kleinen statistischen Vorteil zugunsten der Spielbank. Auf diesem minimalen Vorteil basiert die wirtschaftliche Existenz von Las Ve-gas oder Macao. Dabei ist das Ergebnis des einzelnen Roulette-Spiels, des Blackjack oder des "einarmigen Banditen" völlig zufällig.



TECHNISCHE ANALYSE GEHT VON DER ANNAHME AUS, DASS DAS VERHALTEN DER EINZELNEN TRADER IN DER MASSE EINANDER SO ÄHNLICH IST, DASS SICH DARAUS EIN WAHRSCHEINLICHES MAS-SENPSYCHOLOGISCHES GESAMTVERHALTEN PROGNOSTIZIEREN LÄSST.





Der Nutzen der drei Axiome

Die drei Grundannahmen mögen nicht unumstritten sein und nicht jeder wird sie auf Anhieb für bare Münze nehmen. Ich halte sie allerdings für außeror-dentlich nützlich, weil sie das Trader-Leben vereinfachen. Betrachten wir einmal die wichtigsten Vorteile, wenn man die Axiome anerkennt.

1. Nachrichten und Prognosen werden überflüssig. Eine Kursbewegung reicht aus, das Warum ist in komplexen Systemen, wie der Börse gar nicht eindeutig feststellbar. Börse kennt keine Monokausalität.
2. Jede einzelne Preisbewegung ist zufällig und unabhängig von der vorheri-gen Preisbewegung. Woher weiß ich, ob im nächsten Trade auf der Bid- oder der Ask-Seite des Orderbuches gehandelt wird? Ich weiß es nicht und ich muss das akzeptieren. Somit bin ich auf jede Eventualität besser praktisch vorbereitet. Wenn meine Erwartungshaltung nicht aufgeht, muss ich eingreifen.
3. Technische Analyse ist skaleninvariant, solange eine statistisch valide Da-tenmenge vorliegt. Die Werkzeuge der Technischen Analyse funktionieren in jeder Zeitebene - wobei natürlich die höhere Zeitebene immer eine grö-ßere Wichtung genießt als die niedrigere.
4. Technische Analyse ist keine Wissenschaft, sondern ein Handwerk, das stochastischen Gesetzmäßigkeiten folgt und lediglich auf der Annahme beruht, dass einzelne Szenarien wahrscheinlicher sind als andere. Ich ver-suche nicht, mit der Technischen Analyse ein wissenschaftlich schlüssiges Gesamtkunstwerk zu erschaffen, mit dem ich dann Anspruch auf den No-belpreis erhebe. Ich nutze die Werkzeuge der Technischen Analyse ledig-lich zum Geld verdienen. Die theoretisierenden Teile überlasse ich gern dem Verein der Technischen Analysten Deutschlands (VTAD) oder jenen Unternehmen, die Handelssysteme und Indikatoren für teures Geld an dumme Menschen verkaufen.
5. Technische Analyse ist wertlos ohne Risiko- und Money-Management. Es besteht in jedem Trade und bei jedem Investment die Möglichkeit, dass meine Erwartungen nicht aufgehen. Darauf ist man besser vorbereitet. Dazu gehört ein defensives Risikomanagement - also handhabbare Positi-onsgrößen und klare Ausstiegsregeln. Denn anders als im Casino ent-scheidet nicht der Croupier, sondern der Investor selbst, wann ein Enga-gement - egal ob im 1-Minuten-Chart oder im Wochenchart - ein Fehl-schlag war.


Kritik der Technischen Analyse

Technische Analyse wird vielfach abgelehnt - sowohl im institutionellen Be-reich, als auch unter Wissenschaftlern.

„Chartanalyse ist eine Vielzahl einzelner Techniken, die eine Vorher-sage zukünftiger Börsenkurse anhand historischer Kursentwicklun-gen (z. B. Trends) anstreben.“ (Wikipedia.org)

„Es gibt keine Möglichkeit, einen erwarteten Profit dadurch zu erzie-len, dass man vergangene Veränderungen in zukünftige Preise extra-poliert – weder durch Betrachtung des Charts noch durch irgendwel-che anderen esoterischen Hilfsmittel aus Magie oder Mathematik.“ (Paul Samuelson, Wirtschaftsnobelpreisträger 1970)

Hinter Chartanalyse „steckt die Idee, dass man den Kurs eines Wert-papiers durch geschicktes grafisches Aufarbeiten vergangener Kurs-verläufe vorhersagen kann. Da malen also erwachsene Männer mit Bleistift und Lineal die Kursverlaufslinien von Wertpapieren mit Wimpeln, Trendlinien und allen möglichen anderen Figuren, in der Erwartung, auf diese Weise schnellstmöglich reich zu werden.“ (Prof. Dr. Martin Weber, Universität Mannheim, „Genial einfach investieren, Campus-Verlag Frankfurt, 2007, S. 11)


Der Streit, ob die Technische Analyse "wissenschaftlich" ist, ist für mich un-wichtig. Erstens habe ich keinerlei wissenschaftliche Ambitionen. Zweitens hilft sie mir, Geld zu verdienen, sie ist also nützlich. Drittens habe ich den sto-chastischen Charakter der Technischen Analyse verinnerlicht, betrachte sie also nicht als kausale Wissenschaft.
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Historische Entwicklung

on Sat Jun 27, 2015 5:45 pm
Die Technische Analyse geht zurück auf den Begründer des Wall Street Jour-nals, Charles Dow, sowie seine Kollegen Edward David Jones und Charles Milford Bergstresser. Dieser hatte 1884 begonnen, die Schlusskurse der wich-tigsten amerikanischen Aktien graphisch darzustellen – dies war die Geburts-stunde des Chartings. Am 24. Mai 1896 veröffentlichte die Dow Company zum ersten Mal den Dow Jones Industrial Average Index. Der Stand damals: 40,94 Punkte. Gemeinsam mit seinem Mitherausgeber und Nachfolger William Hamilton verfasste Dow von 1889 bis zu seinem Tode 1902 regelmäßig Artikel über Gesetzmäßigkeiten der Preisbildung am amerikanischen Aktienmarkt. In Buchform zusammengefasst erschienen Dows Gedanken erstmals 1922 in „The Stock Market Barometer“, veröffentlicht von William Hamilton.

Die entdeckten Regelmäßigkeiten in der Aktienpreis-Entwicklung führten zu einem Boom des Charting in den dreißiger Jahren. Berühmte Chartisten wie Ralph Nelson Elliott bauten ganze Theorien um diese Erkenntnisse, indem sie versuchten, aus Charts eine „universelle Ordnung“ herauszulesen. Bei Elliott gipfelte dieses Bestreben in der bekannten Elliott-Wellen-Theorie.

1948 erschien Robert D. Edwards’ und John Magees „Technical Analysis of Stock Trends“. Hier wurden erstmals die Eckpunkte der Formationslehre dar-gelegt. Rechtecke, Dreiecke, Schulter-Kopf-Schulter-Formationen, Keile, Doppeltops und –böden, Untertassen und viele andere Formationen hielten damit Einzug in das Instrumentarium einer wachsenden Gemeinde von An-hängern der Technischen Analyse.
In den folgenden Jahrzehnten erschienen einige Regalmeter an Literatur über die Technische Analyse. John J. Murphy, Jack D. Schwager, in Deutschland Erich Florek und Uwe Wagner gehören zu den Klassikern.
Steve Nisons „Technische Analyse mit Candlesticks“ (FinanzBuch Verlag, München 2004), erschienen in den USA bereits 1990, machte die im Augen-blick weit verbreiteten Kerzencharts in der westlichen Hemisphäre populär.

Mit der massenhaften Verbreitung der Computertechnik ging die Entwicklung der Indikatorlehre einher. Inzwischen werden ständig neue Indikatoren ent-wickelt – mathematische Hilfsmittel, die helfen sollen, die vielfach subjektiv gefärbten Einschätzungen der Chart- und Formationsanalyse auf eine schein-bar objektivere Basis zu stellen.

In den vergangenen 35 Jahren entwickelte sich darüber hinaus eine Disziplin der Finanzmarktanalyse, die mehr und mehr ein Eigenleben entwickelt, in ih-ren Ursprüngen aber auf die Phänomene der Technischen Analyse zurückgeht – die Behavioral Finance.

Seit etwa einem Jahrzehnt wird die Behavioral Finance durch die Neuroöko-nomie unterstützt. Dieses Teilgebiet der Neurologie nutzt modernste Techno-logien, um Instinke, Emotionen und bewusste Denkprozesse auf physiologi-sche Veränderungen zurückzuführen, sie zu messen und zu visualisieren.
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Individualpsychologie und Technische Analyse

on Sat Jun 27, 2015 5:48 pm
In den vergangenen 35 Jahren hat sich eine weitere Methode der Finanz-marktanalyse die Behavioral Finance (deutsch: verhaltenswissenschaftlich orientierte Finanzmarktanalyse) herausgebildet. Behavioral Finance ist ein Denkansatz, der besagt, dass sich auch einzelne Menschen nur sehr bedingt rational verhalten können. Dafür gibt es viele Ursachen, die teilweise in der antropologischen Entwicklung des Menschen, in seiner Hirnmorphologie oder in sozio-psychologischen Verhaltens- und Denkmustern begründet lie-gen.


  •  Menschen werden von unterschiedlichen Interessen geleitet. Die ei-nen wollen an der Börse intraday Geld verdienen, die anderen ein Export- oder Importgeschäft absichern. Wieder andere wollen fürs Alter vorsorgen, wieder andere suchen den „Kick“. Dem entsprechend werden sie handeln.


  •  Menschen vereinfachen komplexe Sachverhalte. Das Denken in Heu-ristiken sichert ihr Überleben, weil es Entscheidungsprozesse be-schleunigt, ist aber auch fehlerbehaftet.


  •  Das menschliche Gehirn spielt dem Menschen Streiche bei der Wahrnehmung. Die wahrgenommene Wirklichkeit ist nicht immer identisch mit dem, was tatsächlich objektiv vorhanden ist. Erfahrun-gen werden ergänzt, Informationen gefiltert. Diese objektiven Wahr-nehmungsverzerrungen kann man nicht umgehen – sie sind genauso vorhanden, wie die Schwerkraft oder die Zeit. Wenn man sie kennt, kann man aber lernen, damit umzugehen.


  •  Instinkte und Emotionen spielen eine große Rolle im menschlichen Verhalten. Angst und Aggression, Flucht- und Kampfreflexe, Schmerzempfindungen, die noch aus der Urzeit stammen, sind im menschlichen Reptilienhirn stark verankert. Sie ergreifen immer dann Besitz vom Menschen, wenn der rationale Verstand zu langsam reagiert oder eine Situation nicht überschaubar ist.


  •  Menschen unterliegen sozialpsychologischen Zwängen – dem Her-dentrieb, dem Gruppenzwang etwa. Menschen wollen „dazugehören“, anerkannt werden. Sie fühlen sich in der Regel am wohlsten, wenn sie in einer Gemeinschaft das tun, was viele tun. Das kann zu völlig irra-tionalen Verhaltensmustern führen – dem Münchner Oktoberfest, dem Kölner Karneval oder ähnlichen Großereignissen.


Trader müssen sich also damit befassen, was bei individuellen Entschei-dungsprozessen mit und in ihnen passiert – in jedem einzelnen. Sie müssen lernen, sich als Teil eines Massenphänomens zu begreifen. Sie müssen eigene Entscheidungsprozesse transparent machen, die Ergebnisse ihrer Entschei-dungen bewerten, um in analogen Situationen in der Zukunft ein gleich gutes oder besseres Ergebnis ihrer Entscheidung zu erzielen.

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